Manische Phase
Der Begriff Ma
nie kommt
ursprünglich aus dem Griechischen. „Mania“ stand für Raserei, Wut, Wahnsinn,
aber auch für Begeisterung. Man bezeichnete mit diesem Begriff ursprünglich
alles Aussersichsein, Ekstase und Entrückung. Meistens ist eine manische
Phase
durch eine situationsinadäquat gehobene Stimmung, schwankend zwischen sorgloser
Heiterkeit und fast unkontrollierbarer Erregung, gekennzeichnet. Die gehobene
Stimmung ist mit vermehrtem Antrieb verbunden. Dieser führt zu Überaktivität,
stark vermindertem Schlafbedürfnis und häufig zu sehr starkem Rededrang.
Kennzeichnend ist, dass die Betroffenen in der manische
n Phase extrem stark irritierbar und
ablenkbar sind. Im Gipfelpunkt der Erkrankung können sie die Aufmerksamkeit
häufig nicht mehr konstant einem Thema zuwenden, der Gedankenfluss ist
assoziativ gelockert. Es treten immer wieder neue Einfälle hinzu, man spricht
dann von Ideenflucht. Die Ablenkbarkeit und der andauernde Wechsel von Plänen
und Aktivitäten verbindet sich häufig mit einer stark überhöhten
Selbsteinschätzung, einem übertriebenen Optimismus und mit Größenideen. Wichtig ist, dass die Euphorie nicht immer die vorherrschende Stimmung im Rahmen einer manische n Phase ist. Gerade dann, wenn die Patienten auf Unverständnis oder Ablehnung ihrer Umwelt stoßen, reagieren sie häufig mit einer eher gereizten, manchmal rücksichtslosen und aggressiv aufbrausenden Haltung. Manche manische n Phase n sind auch mit Halluzinationen oder mit Wahnentwicklung verbunden. Typisch sind hier z. B. ein Größenwahn oder Stimmen, die dem Betroffenen sagen, er habe übermenschliche Kräfte. Das schon erwähnte stark verminderte Schlafbedürfnis findet sich bei fast allen manische n Patienten und ist von daher häufig ein diagnostischer Wegweiser und oft auch ein frühes Warnzeichen im Beginn der Erkrankung. 2. Manische Phase: Krankheitshäufigkeit Am häufigsten finden sich
Ersterkrankungen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. 3. Manische Phase: Krankheitsauslösende Faktoren Die genetische Forschung hat ergeben, dass bei der Entstehung affektiver Psychosen ein Erbfaktor beteiligt ist, der wahrscheinlich für die grundsätzliche Bereitschaft, diese Form der Erkrankung zu entwickeln, verantwortlich ist. Darüber hinaus spielen weitere Faktoren, vor allem für die Auslösung der Erkrankung, eine Rolle. Als Auslöser kommen körperliche Faktoren, wie eine hormonelle Umstellung im Wochenbett oder eine körperliche Erkrankung in Frage, ebenso wie psychosoziale Faktoren, z. B. Erlebnisse von schweren Enttäuschungen, Kränkungen, Verlusten, Trennungen, Überforderungen und Ehekrisen. Die Ergebnisse neurobiologischer Forschung haben die Hypothesen erhärtet, dass neurochemische Störungen der Reizübertragung und der Reizweiterleitung im zentralen Nervensystem eine entscheidende Bedeutung für die Entstehung depressiver und manischer Erkrankungen haben. Wahrscheinlich kommt es zu Verschiebungen und Störungen der Balance zwischen verschiedenen Trägersystemen im Gehirn, so insbesondere den Neurotransmittern Noradrenalin und Serotonin. 4. Manische Phase: Therapie und Rehabilitation Vor diesem Hintergrund ist in der Therapie einer akuten manische n Phase eine medikamentöse Behandlung in der Regel unverzichtbar. Moderne Neuroleptika, die sog. Atypika, finden hier ihre Anwendung. Im Rahmen der Weiterentwicklung dieser Medikamente konnte erreicht werden, dass sie in aller Regel gut verträglich und nebenwirkungsarm sind. Außerdem ist bei affektiven Psychosen die Einstellung auf ein vorbeugendes Medikament (Phasenprophylaktikum) zu prüfen. Wendet man sich einem psychodynamischen Verständnis der manische n Phase zu, so liegt der Gedanke nahe, die Erkrankung als Abwehr gegen eine Depression, als „antidepressiven“ Mechanismus (S. Mentzos 1995) zu verstehen. Verlust, Trennung, Herabminderung des Selbstwertgefühls, Kränkung, Scham und Schuld können in der manische n Phase verleugnet werden. Anstelle der psychomotorischen Hemmung, des Rückzuges aus der äußeren Welt, anstelle von Blockierung, Erschöpfung, Leere, hoffnungsloser Hilflosigkeit finden wir in der manische n Phase das Gegenstück. In der manische n Heiterkeit und Unbekümmertheit können soziale Normen, die als einengend, streng und rigide empfunden werden, ebenso über Bord geworfen werden, wie die Verinnerlichungen solcher rigiden, reglementierenden und strengen Strukturen in die eigene Person. Man spricht sinnbildlich vom Überbordwerfen des „Über-Ich“ als innerer normativer Instanz. Positiv ausgedrückt kann man vielleicht sagen, dass in dem Erscheinungsbild der manische n Phase ein - wenn auch nicht vollständig geglückter - Versuch zu erkennen ist, sich persönlich zu behaupten, das Selbstwertgefühl zu stabilisieren und sich gewissermaßen nicht einem Gefühl von Selbstverlust, tiefem eigenen Versagen oder eigener Schuld zu unterwerfen. In der Psychotherapie der manische n Phase kommt es darauf an, reifere Wege zu entwickeln, das Selbstwertgefühl der Betroffenen zu stabilisieren. Es ist wichtig, einen psychosozialen Kompromiss zu entwickeln, der den Patienten erleichtert, die Balance zwischen verinnerlichten strengen Normen und persönlichem Entfaltungsstreben zu finden. In der Abt. Psychiatrie
und Psychotherapie der HWK I wird ein spezialisiertes stationäres
Psychotherapieprogramm für Patienten mit entaktualisierten Psychosen angeboten.
Schwerpunkt der Behandlung ist eine ich-strukturell modifizierte
psychodynamische Vorgehensweise, die vor allem auf der psychoanalytischen
Objektbeziehungstheorie und auf Konzepten einer Entwicklungsförderung des Selbst
basiert. Dies erfolgt unter Einbeziehung von Kreativtherapie,
Körpertherapie,
milieutherapeutischen Elementen, balneo -physikalischen Maßnahmen,
therapeutischem Reiten und anderen Sportarten sowie Entspannungs- und
Meditationsverfahren, In speziellen Angeboten finden Patienten mit einer entaktualisierten manische n Phase Möglichkeiten, den Realitätsbezug zu festigen, ihr emotionales Erleben zu stabilisieren. Dabei geht es vor allem darum, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken sowie die Verarbeitung von Verlusten, Enttäuschungen und tiefen Kränkungen besser in die Persönlichkeit zu integrieren und darum, die persönliche Leistungsfähigkeit zu verbessern. In der Klinik bestehen gezielte Möglichkeiten von Sozialberatung und Beratung zur beruflichen Rehabilitation. Im geschilderten Behandlungssetting hat die Zusammenarbeit mit den ambulanten Vor- und Nachbehandlern, Ärzten und psychologischen Psychotherapeuten, mit Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation und mit anderen psychosozialen Institutionen einen besonderen Stellenwert.
Dr. med. J. Schlosser
Dr. med. N. Schmitt
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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